LANGENDORFS DIENST - Leichter führen im Buchhandel



Hallo ,

die Daten des Statistischen Bundesamts zur Umsatzentwicklung des Buchverkaufs nähern sich den Brachenerhebungen an, sind aber weit entfernt von einer Angleichung.

Die heutigen Themen:

  • Destatis meldet negative Halbjahresbilanz für deutschen Buchhandel
  • Läden und GenZ: Es kommt auf die Produkte an
  • Fünf Fragen an Sandra Thoms: Hat die Buchpreisbindung versagt?
  • LDs Sortimenter-Ticker: Verschwörungstheorien
    • Seltsam hoher Einstieg auf der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch Paperback
    • Buchwert: Thomas Wich nächstes Jahr in vorzeitigem Ruhestand
  • Tipp des Tages: Günstigste Tankstelle finden

Ihr
Matthias Koeffler
LD – Leichter führen im Buchhandel

Krefeld, den 17.08.2023

Nächste Aktualisierung: Freitag, ca. 14 Uhr

 


 

Destatis meldet negative Halbjahresbilanz für deutschen Buchhandel

Destatis meldet negative Halbjahresbilanz für deutschen Buchhandel

Auch nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamts kommt der Einzelhandel mit Büchern im Juni weiter in die Pluszone. Trotzdem bleibt es dabei, dass Destatis die mit Abstand schlechtesten Werte für den deutschen Buchhandel veröffentlicht.

Für die Halbjahresbilanz bleibt es trotzdem bei einem Minus, und zwar in Höhe von 4,4 Prozent. Die 5,9 Prozent Umsatzplus im Juni hoben diese zwar noch einmal deutlich an, für ein kumuliertes Plus hat es aber nicht mehr gereicht. Für den Einzelhandel mit Büchern, Schreibwaren, Bürobedarf errechnet Destatis plus 6,9 Prozent (kum.: plus 2,0 Prozent).

Der Einzelhandel (ohne Kfz) schlägt sich nach den ersten sechs Monaten mit 3,6 Prozent Mehreinnahmen immerhin in die Pluszone. Allerdings hatte zwischenzeitlich das Wachstum an Dynamik verloren. Mit plus 6,7 Prozent kam es im Juni wieder zurück.

Unter weiteren buchhandelsnahen Branchen entwickelten sich:

  • Zeitschriften und Zeitungen: plus 6,7 Prozent (kum.: plus 7,1 Prozent)
  • Einzelhandel mit Schreib- und Papierwaren, Schul- und Büroartikel: plus 5,2 Prozent (kum.: plus 9,4 Prozent)
  • Spielwaren: plus 14,7 Prozent (kum.: plus 20,9 Prozent)

Bei den Vertriebswegen kann der stationäre Handel weiter Umsatzanteile zurückholen.

  • Internet- und Versandhandel: plus 2,1 Prozent (kum.: minus 2,6 Prozent)
  • Einzelhandel in Verkaufsräumen: plus 7,9 Prozent (kum.: plus 5,1 Prozent)

Die Differenzen der Daten aus dem Amt in Wiesbaden zu den Branchenerhebungen bleiben weiterhin groß. LD hatte für Juni plus 8,5 Prozent (kum.: plus 7,6 Prozent) ermittelt und der Branchenmonitor Buch (BMB) kam auf plus 5,9 Prozent (kum.: plus 4,1 Prozent). Allerdings ist eine Annäherung erkennbar.

LD

 


 

Läden und GenZ: Es kommt auf die Produkte an

Das Kaufverhalten der nachfolgenden Generation löst in der Forschung offenbar einen großen Untersuchungsdrang aus. Jetzt hat der Lehrstuhl für allgemeine Betriebswirtschaftslehre in Rostock eine neue Untersuchung der Zielgruppe übernommen und ihr Kaufverhalten untersucht. Diese Generation kaufe zwar wertebewusst ein, aber verhalte sich nicht so disruptiv, wie viele annehmen würden.

Laut Presseerklärung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel sagen knapp 75 Prozent der Befragten auf die Frage, wie sie sich das Einkaufen in 25 Jahren vorstellen, dass sie den überwiegenden Teil der Einkäufe online erledigen werden.

Rund 50 Prozent wollen nur noch in dringenden Fällen Geschäfte betreten und 57 Prozent nur dann, wenn dort interessante und passende Produkte verfügbar sind.

Schaufensterbummel käme nur noch wenigen in den Sinn. 53 Prozent können sich nicht vorstellen, in 25 Jahren noch in der Innenstadt Spontaneinkäufe zu tätigen, weitere 25 Prozent sind unentschlossen.

Es gäbe allerdings Branchen, die auch stationär attraktiv bleiben. So können sich „nur“ 44 Prozent vorstellen, Lebensmittel und Drogeriebedarf regelmäßig nach Hause zu bestellen.

In den Sozialen Medien seien die mit Abstand beliebtesten Plattformen YouTube und Instagram, mit 94 Prozent bzw. 88 Prozent aktiven Nutzerinnen und Nutzern unter den Befragten.

Obwohl 55 Prozent Soziale Netzwerke auch als eine Inspirationsquelle für Einkäufe bezeichnen, lassen sich nur 20 Prozent auch von Influencern für Einkäufe begeistern.

BEVH

 


 

Fünf Fragen an Sandra Thoms: Hat die Buchpreisbindung versagt?

Fünf Fragen an Sandra Thoms: Hat die Buchpreisbindung versagt?
Sandra Thoms: "Wieso wird Verlagen im Gegensatz zu Theatern zugemutet, wirtschaftlich zu arbeiten, wenn sie doch Kultur produzieren?"

Sandra Thoms, Mit-Inhaberin von Bedey & Thoms Media, schlägt im Moment auf vielen Kanälen Alarm für die unabhängigen Verlage. Immer mehr, auch mit engagiertem Angebot, würden aufgeben. Nun beklagen viele Verleger, dass ein „Oligopol“ auf Handelsseite ihre Chance auf mehr Sichtbarkeit im Vertrieb verhindere. Wir haben nachgefragt, wie Thoms das sieht und mit welchen Argumenten sie für mehr staatliche Förderung plädiert.

LD: Sie sagen, der Buchhandel besteht aus einem Oligopol. Das klingt, als ob die Buchpreisbindung aus Ihrer Sicht ihr Ziel verfehlt hat?

Oligopole und Buchpreisbindung haben wirtschaftlich nichts miteinander zu tun. Bestes Beispiel ist die Schweiz ohne Buchpreisbindung, aber mit einem identischen Problem. Das wurde aber durch eine strukturelle Verlagsförderung verbessert. Daher gibt es für mich zwischen diesen beiden Themen keinen Zusammenhang; Oligopole können sich auch auf Märkten mit Buchpreisbindung bilden, dieses Mittel taugt meiner Sicht nach nicht, sie zu verhindern. Dazu war es auch nicht gedacht. Die Buchpreisbindung bringt meiner Meinung nach nur dem unabhängigen Buchhandel etwas. So wird garantiert, dass er sich nicht auch noch im Preiskampf gegen die Großen durchsetzen muss. Daher ein gutes und wichtiges Instrument für die Vielfalt des unabhängigen Buchhandels. Für unabhängige Verlage bringt die Buchpreisbindung nichts, denn wir stehen ja im Preiskampf mit großen Verlagen, die einfach andere Margen weitergeben können. Was bringt es uns, wenn unser Krimi überall 15 Euro kostet, wenn der aus einem großen Haus 9,99 Euro kostet. Das Argument, dass wir unabhängige Verlage die neuen Autor*innen entdecken und fördern, zählt hier nicht.

Könnte das die Buchpreisbindung zu Fall bringen, wenn es so weitergeht? Braucht es ein anderes System, um die Vielfalt an Verlagen zu erhalten?

Ich sehe die Buchpreisbindung nicht fallen, warum sollte sie? Sie reicht einfach nur nicht aus. Ja, es braucht andere Systeme. Beispiele für Förderung gibt es in der Schweiz, in Österreich oder in Norwegen. Könnte man sich abgucken.

Kann der Staat es wirklich richten? Wäre dann das Unternehmertum auch bei kleinen Verlagen dann nicht endgültig tot?

Wieso wird Verlagen im Gegensatz zu Theatern zugemutet, wirtschaftlich zu arbeiten, wenn sie doch Kultur produzieren? Kultur ist nicht wirtschaftlich, das ist Teil der Kultur, denn wenn sie wirtschaftlich wäre, würde nichts Neues daraus entstehen. Eine Förderung bedeutet ja nicht, dass ein Verlag nicht mehr wirtschaftlich agieren muss, auch Theater können nicht einfach beliebig Geld verprassen und sich dann vom Staat retten lassen – das dürfen nur Banken.

Im Moment trommeln Sie für kleine Verlage auf allen Kanälen. Fehlt es Ihnen bzw. der Branche an Ideen? Es gibt nun schon einen Verlagspreis.

Die Diskussion um den Verlagspreis ist ja sehr öffentlich: Ist es ein Preis, wenn ihn 12 Verlage bereits viermal, also die maximale mögliche Anzahl, bekommen? Leider fördert der Preis nicht flächendeckend, sondern im Wesentlichen E-Literatur und Kinderbuch. Das ist sicher förderungswürdig, aber warum nur das?

Im 18. Jahrhundert waren Verleger auch immer ihre eigenen Buchhändler. Müssten kleine Verlage zu einem solchen System zurückkommen und eine eigene Buchhandelskette aufmachen?

Versuche in diese Richtung gibt und gab es schon. Hier kann ich z.B. „Shakespeares Enkel“ nennen, die Buchhandlung, die wir als kleine Verlage gemeinsam in Dresden eröffnet hatten. Aber um noch mal die Zahlen in Erinnerung zu rufen: Nur jeder 5. Kleinverlag kann von seiner Arbeit leben. In der Regel ist hier immer Selbstausbeutung angesagt. Das ist bei kleinen Buchhandlungen ja ähnlich. Wie genau ich da die Selbstausbeutung aus dem Verlag plus die Selbstausbeutung aus der Buchhandlung kombinieren soll, weiß ich nicht. Im 18. Jahrhundert war es übrigens durchaus üblich, dass Mäzenen Autor*innen gefördert und auch deren Publikation finanziert haben. So würde das System wieder funktionieren.

LD

 


 

LDs Sortimenter-Ticker: Verschwörungstheorien

Seltsam hoher Einstieg auf der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch Paperback

In dieser Woche steht erstmals ein Titel auf Platz 10 der Spiegel-Bestsellerliste Paperback Sachbuch, bei dem sich im Moment viele die Augen reiben. So kamen auch hier Anfragen aus dem Buchhandel an, denen wir nachgegangen sind. Der Titel (Die Corona Verschwörung) erscheint erst im September, ist aber schon jetzt unter den Top 10 auf der Bestsellerliste? Herausgebracht hat das Buch der kleine Verlag Rubikon, der auf seiner etwas kryptischen Homepage noch nicht einmal eine Auslieferung im branchenüblichen Sinn bezeichnen kann. Der Titel ist zwar im VLB gelistet und auch bei Amazon zu finden, aber er fehlt bei Barsortimenten, wie zum Beispiel Zeitfracht. Es gibt noch nicht einmal einen Klappentext dazu, nur die Biografien der Urheber, zu denen auch die Agentur gezählt wird, die das Cover entworfen hat. Der Verlag selbst, auf dessen Homepage das Buch auch nicht gezeigt wird, bezeichnet die Online-Handlung buchkomplizen.de als „Auslieferung“. Dort ist es gedruckt und digital als E-Book vormerkbar. Wie soll das Buch also im Handel bestsellermäßig verkauft worden sein? Auf Nachfrage an das Buchreport-Team, das die Bestsellerlisten betreut, bestätigt uns Jens Schröder, dass auch bei ihm schon entsprechende Nachfragen angekommen seien. Aus seiner Sicht sei das auch ein sehr „besonderer" Fall. „Fakt ist, dass in der entsprechenden Wertungswoche laut Media Control Exemplare im Handel verkauft wurden“, sagt er. Seine Vermutung: Der Verlag müsse das Buch also einige Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung an Händler geliefert haben, die es auch verkauft haben. „Über die Gründe dafür lässt sich nur spekulieren.“ Das wolle er nicht tun. Das Vorgehen an sich sei aber nicht ungewöhnlich. Auch Titel großer Verlage würden oft schon vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin verkauft. „Dort handelt es sich dann aber nur um einige Tage, maximal eine Woche. Dass es in diesem Fall um mehrere Wochen geht, ist wie gesagt ‚besonders‘“. Er schränkt aber auch ein: „Letztlich kann aber der offizielle Veröffentlichungstermin eines Buches bei der Erstellung einer Bestsellerliste, die auf objektiven Verkaufsdaten aus dem Handel basiert, keine Rolle spielen.“ Laut Schröder seien schon andere Titel des Verlags zum Teil höher eingestiegen. Er vermutet eine aktive Fan-Gemeinde dahinter. Die Frage ist, ob die aus dem Hause des Verlags besteht und kräftig nachhilft. Von Media Control heißt es: „Zu Ihrem genannten Titel wurden uns bereits Verkäufe gemeldet, weshalb es dieser Titel in die Charts geschafft hat. Weitere Informationen zu Händler bzw. Shops können wir Ihnen nicht mitteilen“, so Deniz Ulucan. Im Buchhandel gibt es nun Stirnrunzeln. „Das führt das Listenthema nun ad absurdum und ist Wasser auf die Mühlen derer, die das sowieso alles für manipuliert halten“, schreibt uns ein Sortimenter. Das wäre die Ironie der Stunde, wenn ein Buch zur Corona-Verschwörung einer Bestsellerlisten-Verschwörungstheorie Vorschub leisten würde.

Br

Buchwert: Thomas Wich nächstes Jahr in vorzeitigem Ruhestand

Jetzt ist es öffentlich geworden: Thomas Wich wird nächstes Jahr das Außendienst-Team der Buchwert verlassen. Der ausgebildete Buchhändler, später Außendienstler von KNV und Leiter der Sack-Filiale in Düsseldorf, geht in den vorzeitigen Ruhestand. In der neuen Stellenausschreibung der Buchwert heißt es jedenfalls zu Wichs Zukunft: „um fortan Buchhandlungen nur noch zum Stöbern aufzusuchen“. Wie zu hören ist, ist die Demission zum 1. Mai 2024 geplant. Die Buchwert sucht schon ab jetzt eine Nachfolgerin bzw. einen Nachfolger, wie im Profil von Buchwert-Chef Michael Rosch auf LinkedIn zu sehen ist. Bis dahin bleibt Wich der Branche erhalten. Wer also Lust auf den Außendienst-Job hat, erfährt hier mehr:

Li

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LD

 


 

Tipp des Tages: Günstigste Tankstelle finden

Aktuell sind wieder die Preise für Kraftstoffe gestiegen. Darüber informiert heute auch das Bundeskartellamt (BKartA). Nach dessen Aussage hätten zwar auch die Rohölpreise angezogen, aber die Preissteigerungen finden offenbar derzeit vor allem auf der Handelsebene der Raffinerien statt, hier mehr. Die Benzinanbieter träfe deshalb keinen Verdacht. (Trotzdem ist das jährliche Verteuern in der Reisezeit verdächtig.) Seit 2013 müssen Tankstellen ihre Preisentwicklung in Echtzeit der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe melden, die vom Bundeskartellamt betrieben wird. Diese Daten fließen in zahlreiche Apps ein, die man herunterladen kann. Auf denen können Sie dann die jeweils günstigste Tankstelle in Ihrer Umgebung oder auf der Reise durch Deutschland finden. Diejenigen, die die BKartA-Daten verwenden, finden Sie hier:

BKartA

 


 

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