14. Dez. 2017
Gastkommentar: Smart City für mehr Online-Päckchen und weniger Einzelhandel?

Ellen Braun: Was wir nicht brauchen ist definitiv mehr Auflagen oder Hürden für ansässige Händler bzw. sonstige Gewerbetreibende.

Letztes Jahr haben Ellen Braun und Langendorfs Dienst und die Leipziger Buchmesse in zwei Veranstaltungen die Frage gestellt: Wohin? Läuft? der? Kunde? Auch im kommenden Jahr werden wir in Sachsens Buchstadt das Thema fortsetzen. So viel steht schon fest. Bis dahin schreiben wir schon mal auf, was uns bewegt. Heute kommentiert Ellen Braun:

 

Smart City ist im Zeitalter der Digitalisierung ein gängiger Begriff, so auch in Unterfranken mit „Smart Würzburg. Das Netzwerk für eine schlaue Stadt.“ (vgl. www.smart.wuerzburg-ag.de). Per Internet kann sich damit jeder Bürger beteiligen mit Ideen und Esprit. Und der Auftakt war beim Mobile Media Day. Hier konnten die Teilnehmer bei einer Art Design Thinking in den Bereichen Gesundheit, Verwaltung, Gebäude, Bildung, Energie und Mobilität kreativ sein.

 

Doch wo fand sich der Bereich „Lebendige Innenstadt“ bwz. „Lebendige Stadtteile“? Die Hoffnung war, dass sich das schon ergibt im Laufe der Diskussion. Doch weit gefehlt. Im Rahmen der Mobilität wurde moniert, dass doch die Paketzusteller schon arg lästig seien, wenn sie die Straße verstopfen. Und es doch hilfreich wäre eine konzertierte (nicht konzentrierte) Logistik für die letzte Meile zu schaffen. Zudem fehlen Paketstationen! Wo bleibt der Einzelhandel? Die Antwort:  dieser könne ja die Pakete der Online-Händler annehmen und hätte damit mehr Frequenz im Laden. Möglicherweise würde ja der geneigte Kunde beim Abholen des Paketes noch den einen oder anderen Artikel im Laden kaufen. Und online hätte man wirklich mehr Auswahl als in so einem kleinen Laden.

 

Was ist mit der Gewerbesteuer? Fehlende Gewerbeeinnahmen durch weniger Einzelhändler könnten durchaus der Stadtverwaltung zu schaffen machen. Zudem ist nur Gastronomie in der Innenstadt möglicherweise für den Bürger auch auf Dauer ziemlich langweilig. Beim Geld wird die Aufmerksamkeitsquote schon höher.  

 

Und gleichzeitig die Quote der Ratlosigkeit aller Ideengeber.

 

Was also tun?

 

Jammern hilft nicht. Die Idee einer smarten City ist wirklich gut und auch längst überfällig. Aber es gibt einen wesentlichen Bereich, der auch mit integriert werden muss, wenn es wirklich ernsthaft darum geht das „Leben der Bürger lebens- und liebenswerter“ zu machen. Dann brauchen wir zwingend auch einen Ideenpool „Lebendige Innenstadt“. Standortpolitik und -marketing hat die Aufgabe die Innenstadt und deren Gestalter auch zu schlauen Ideen zu animieren. Und diese dann auch umzusetzen. Wie kann der lokale Einkauf belohnt werden? Wie können Vermieter, lokale Händler und Verwaltung die Innenstadt attraktiver gestalten, damit die Loyalität der Bürger erhalten bleibt und steigt. Loyalität für den Ort an dem sie leben.

 

Was wir nicht brauchen ist definitiv mehr Auflagen oder Hürden für ansässige Händler bzw. sonstige Gewerbetreibende.

 

Deshalb der Aufruf: liebe Einzelhändler macht mit! Selber oder aktiviert Eure Vertreter in Stadtmarketing und Verbänden, sich aktiv in die Stadtgestaltung einzumischen. Mobilisiert Eure Kunden! Sonst haben die Paketzusteller die schnellen Zufahrten und die Akteure der Innenstadt – insbesondere der Einzelhandel - sieht nur die Schlusslichter des Fahrzeugs.

 

Und hier noch ein paar Fakten: Eine smarte Stadt ist nach der Würzburger Definition, eine Stadt, die sich mit Intelligenz bemüht, das Umfeld ihrer Bürger lebens- und liebenswerter zu gestalten. Und es gibt sogar ein Positionspapier der IHK Würzburg-Schweinfurt zum Einzelhandel und dessen Stärkung. Andrerseits ist der Erhalt des örtlichen Einzelhandels lt. der pwc Studie „Deutschlands Städte werden digital“ erst an 9. Stelle bei den aktuellen kommunalpolitischen Herausforderungen.

Ellen Braun

LD

 


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